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Snowpiercer

Kinostart: 3. April 2014

Snowpiercer

Man muss die Metaebenen lesen können, das kleine unsichtbare Dazwischen. Dort findet man die spannenden Details. Das beginnt beim heimlichen Augenverleiern während eines Gesprächs mit ungeliebten Personen, geht weiter über die Meta-Element „robots“, „description“ und „keywords“ bei HTML-Seiten und endet bei der Geschichte von Snowpiercer. Dass die dabei mit dem Comicroman von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette wenig gemeinsam hat, sollte man jedoch getrost außer Acht lassen.

Überhaupt sollte man sich um Logik, Realismus und physikalische Gesetze wenig Gedanken machen. Denn wie kann es sein, dass die Erde binnen kurzer Zeit Jahre von einer Postapokalypse aus Schnee und Eis verwüstet wird? Warum fährt seitdem ein Zug in einem Zyklus von genau einem Jahr permanent um die Erde? Warum leben die letzten Menschen in diesem Perpetuum Mobile? Wie funktioniert überhaupt die ganze Logistik und Versorgung? Und was passiert, wenn sie nicht doch irgendwann gestorben sind? Fragen über Fragen …

Regisseur und Drehbuchautor Bong Joon-ho („The Host“, 2006) gibt darauf nur wenige und unzureichende Antworten, aber genau das ist die große Stärke – denn darum geht es gar nicht! Vielmehr stehen essentielle gesellschaftliche Fragen, Probleme und Strukturen zur Diskussion, die erst nach und nach erkennbar werden. So kämpft sich der hintere Teil des Zuges, der Mob, in einer angezettelten Revolution immer weiter in den elitären Vorderteil. Menschen sterben reihenweise, werden dabei überaus ästhetisch gefilmt, aber jeder Aufstand hat auch seine Schattenseiten.

Der Fisch stinkt vom Kopf her, so die weise Annahme des Fußvolks, doch schnell wird klar, dass die Ansprache „I am head, you are shoe“ von Mason (gespielt von Tilda Swinton) auch ein Teil der Wahrheit ist. So wird ein Gesellschaftsbild gezeichnet, bei dem jeder seine Laster zu tragen und massig Dreck am Stecken hat, keiner frei von Zwängen ist, aber – den Spruch muss man jetzt bringen – alle bekanntlich im selben Zug sitzen. Einen Ausweg aus der Dystopie gibt es nicht, der Untergang ist nur eine Frage der Zeit. Und der Qual. Viel Spaß dabei!

© Geschrieben für Mit Vergnügen

03.04.2014

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