Hallo!

Nächster Halt: Fruitvale Station

Kinostart: 1. Mai 2014

Was bleibt?

Diese Frage stellt man sich nach dem Tod eines Menschen lange und vor allem immer und immer wieder. Und diese universelle Frage wirft auch “Nächster Halt: Fruitvale Station” noch Stunden danach auf.

Oscar Grant wurde in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2009 an der Fruitvale Station in Oakland, Kalifornien, von dem BART-Polizisten Johannes Mehserle erschossen. Er war mit Sicherheit kein Heiliger, immerhin verbüßte er mit Anfang 20 bereits zwei Haftstrafen wegen Drogendelikten und Waffengebrauchs. Doch die biografische Verfilmung von Ryan Coogler zeichnet ein Bild eines fürsorglichen Vaters, der gewillt ist, mit der Vergangenheit abzuschließen, sein Leben zu ändern, für seine Freundin und seine Familie da zu sein und auch wieder legaler Arbeit nachzugehen.

Ryan Coogler macht das geschickt. So portraitiert er nur die letzten 24 Stunden von Oscar Grant (gespielt von Michael B. Jordan), so dass frühere Ereignisse fast komplett ausgeblendet werden können. Natürlich wird dadurch das Bild, das Leben, verzerrt dargestellt, aber am Ende fällt das gar nicht so schwer ins Gewicht. Schließlich wird Oscar Grant an Neujahr erschossen und es stehen ganz andere Fragen im Raum. Es geht um Rassismus und um Polizeigewalt. Das persönliche Schicksal rückt mehr in den Hintergrund. Und gerade in der letzten halben Stunde des Films nimmt sich der Regisseur auch immer weiter zurück, was die Ereignisse umso intensiver macht. Schon fast dokumentarisch werden die endlosen Minuten der Überforderung in der unübersichtlichen und aufgeheizten Situation gezeigt. Beklemmendes Kino.

Doch die Frage ist weiterhin, was bleibt. Auf persönlicher Ebene natürlich hinterlassene Freunde, eine sich Vorwürfe machende Mutter, die harte Wirklichkeit seiner Freundin und seiner Tochter. Auf der gesellschaftlichen Seite gab es in der darauffolgenden Zeit eine große öffentliche Anteilnahme und Proteste in der gesamten Bay Area, die Debatte über Rassismus im Alltag rückte somit wieder in den Mittelpunkt genauso wie eine Diskussion über Gewalt und Waffenmissbrauch von Polizisten. Aber man muss feststellen: Mal wieder und seitdem auch noch dutzende Male.

Es ist ernüchternd.

© Geschrieben für Mit Vergnügen

27.04.2014

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