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Selma

Kinostart: 19. Februar 2015

selma

Verfilmungen bedeutender Biografien sind ja immer so eine Sache: Sie müssen dem großen Lebenswerk gerecht werden, eine kritische Betrachtung ist oft fast ausgeschlossen und trotzdem soll der Spielfilm unterhaltender sein als eine nüchterne Dokumentation der Fakten auf N24. Schwierige Aufgabe!

Im Fall von Martin Luther King jr. dürfte das Ganze nochmals um Längen steiniger sein, spielt seine Person in der Geschichte des 20. Jahrhunderts doch eine entscheidende Rolle, für die er 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Sein Engagement gegen Unterdrückung, Rassismus und Rassentrennung in den USA ist unantastbar, auch wenn er im Weißen Haus und beim FBI zwischenzeitlich zur Persona Non Grata deklariert wurde. Zudem wurden die Rechte der Biografie bereits 2009 an Steven Spielberg verkauft, sodass sich Regisseurin Ava DuVernay in der misslichen Lage befand, viele Szenen und Reden nicht verwenden zu dürfen. So pickte sie sich die Ereignisse und Rolle Kings rund um die Protestmärsche in Selma, Alabama, im Sommer 1965 heraus. Interpretationen und künstlerische Freiheiten waren zwangsläufig unausweichlich, was natürlich die verschiedensten Interessengruppen, Historiker und Wissenschaftler auf die Palme brachte. Wer hätte es gedacht.

Dennoch: „Selma“ ist ein gute Verfilmung, die den Fokus auf den geistlich-intellektuellen Martin Luther King jr. legt, der auch seine Zweifel hegt und ihn weniger in den geschichtlichen Kontext stellt. Und gerade das ist die Stärke, weil David Oyelowo als Hauptdarsteller mit einer immensen Stärke, Ausdrucksweise und Glaubwürdigkeit die Rolle verkörpert, dass es schon sehr verwunderlich ist, ihn nicht auf der Liste der Oscar-Nominierten zu finden.

Im Umkehrschluss kann man dem Film aber auch genau das wiederum vorwerfen: Es ist eine One-Man-Show. So ist zwar der intimste Moment als King nachts unsicher die Gospelsängerin Mahalia Jackson anruft und sich etwas vorsingen lässt, doch vernachlässigt DuVernay oft das Politische. Das mag weniger ergreifend sein, doch ohne sein schwieriges Verhältnis zu Präsident Lyndon B. Johnson, mit all seinen taktischen, politischen und menschlichen Machtspielchen auf höchster Ebene, wären mit großer Wahrscheinlichkeit die geschichtlichen Ereignisse anders verlaufen. „Selma“ deutet die diplomatischen Verhandlungen und Beziehungen im Hintergrund oft nur an, auch wenn diese noch mehr Bedeutung verdient hätten. Am Ende geht es aber auch einfach nur um die Gewalt und die Macht der Bilder.

© Foto von Studio Canal

17.02.2015

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