Hallo!

Lucy

Kinostart: 14. August 2014

Die These ist steil: Der Mensch nutzt nur 10 Prozent der Leistung seines Gehirns. Albert Einstein soll das irgendwann mal gesagt und direkt angefügt haben, dass es dann bei ihm wohl 11 Prozent seien. Im Berliner Nachtleben sind es wahrscheinlich weitaus weniger, bei Delphinen angeblich 20 Prozent. Wissenschaftlich belegt ist das natürlich nicht, aber das kümmert den Mythos nicht. Der lebt weiter und wird sogar verfilmt.

So soll Lucy (Scarlett Johansson) im gleichenamigen Film für ein paar Drogenhändler eine geheime Substanz, die aussieht wie neonblauer Bubble Tea, ins Ausland schmuggeln. Doch das geht erwartungsgemäß schief, da das Drogenpaket im Bauch platzt und fortan entwickelt Lucy Superkräfte – weil sich die Auslastung ihres Gehirns kontinuierlich bis auf 100 Prozent steigert. Fast beneidenswert.

Das ist natürlich witzig und kann durchaus praktisch werden, wenn man bei 15 Prozent schon doppelt so schnell lesen könnte, mehr hört, weniger Regenerationszeit nach der durchzechten Nacht braucht und sich endlich mal alle Punkte der Aufgabenliste merken kann. Ab 20 Prozent kann man Gedanken von anderen Personen lesen, bei 40 diese dann auch beeinflussen und steuern. Und so weiter und so fort …

Was aber Luc Besson, dessen beste Filme mit „Léon – Der Profi“ und „Das fünfte Element“ auch bereits fast 20 Jahre zurück liegen, aus der ohnehin schon dünnen Annahme macht, wird nicht besser: Charakterlose Darsteller, bei denen sogar Morgan Freeman nur Bauklötze staunen darf, ein paar wilde Schießereien und natürlich eine Verfolgungsjagd im Auto über die Fußwege von Paris. Lange nicht gesehen! Selbst Scarlett Johansson rettet nicht viel und geht im gehetzten Tohuwabohu ihrer bewusstseinserweiternden Fähigkeiten unter, aber das war bei fragwürdigen Rollen in „Iron Man 2“ oder „The Avengers“ ja nicht anders.

Je länger der Film dauert, desto hanebüchener wird das ganze Spiel: der pseudowissenschaftliche Ansatz wurde für ein paar Kugelwechsel vollends gestrichen, ebenso wie jene möglichen kreativen Gedankenspiele, was angeblich alles machbar wäre, würden wir die restlichen 90 (!) Prozent unserer grauen Masse doch noch einschalten. Aber so lösen wir uns scheinbar nur in heiße Luft auf. Passt ja!

© Foto von Universal Pictures

09.08.2014

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